Stulpfenster – kurz erklärt
Beim Stulpfenster liegt ein Flügel beim Schließen hinter dem anderen, sodass kein fester Mittelpfosten nötig ist. Werden beide Flügel geöffnet, ist die gesamte Fensteröffnung frei zugänglich. Stulpfenster sind besonders bei Balkontüren und Terrassenzugängen beliebt.
Was ist ein Stulpfenster?
Ein Stulpfenster ist ein zweiflügeliges Fenster, bei dem die beiden Flügel ohne festen Mittelpfosten direkt aneinanderschlagen. Der sogenannte Stulp ist ein schmales Profil, das am Stulpflügel (dem passiven Flügel) befestigt ist und beim Schließen die Fuge zwischen beiden Flügeln abdeckt. Im Gegensatz zu einem Fenster mit festem Pfosten lässt sich die Fensteröffnung beim Stulp komplett freigeben.
Diese Konstruktion wird überall dort geschätzt, wo eine möglichst breite, ungeteilte Öffnung gewünscht ist. Nachfolgend erfahren Sie, wie ein Stulpfenster funktioniert, wann es sich lohnt und worauf Sie achten sollten.
So funktioniert der Stulpbeschlag
Beim Stulpfenster gibt es einen Gehflügel (den Hauptflügel) und einen Stulpflügel (den passiven Flügel). Der Gehflügel lässt sich wie ein normales Dreh-Kipp-Fenster über den Griff bedienen. Der Stulpflügel hat keinen eigenen Griff und wird entweder über einen separaten Hebel am oberen Rahmen oder durch Kippen des Gehflügels entriegelt.
Beim Schließen wird zuerst der Stulpflügel eingesetzt und verriegelt, dann schließt der Gehflügel dagegen. Das Stulpprofil am passiven Flügel überdeckt dabei die Fuge zwischen beiden Flügeln und stellt zusammen mit den Dichtungen die Wind- und Regendichtheit sicher. Moderne Stulpbeschläge sind so ausgereift, dass sie in puncto Dichtheit und Einbruchschutz kaum noch hinter Pfostenfenstern zurückstehen.
Übrigens: Bei einem Stulpfenster mit 1,20 m Breite gewinnen Sie gegenüber einem Pfostenfenster etwa 100 bis 120 mm zusätzliche freie Durchgangsbreite. Bei einer Balkontür kann das den Unterschied machen, ob ein breiter Kinderwagen oder Rollstuhl bequem hindurchpasst.
Vorteile des Stulpfensters gegenüber dem Pfostenfenster
Der größte Vorteil liegt in der vollständig freien Öffnung. Ohne festen Mittelpfosten bietet das Stulpfenster eine ungeteilte Durchsicht und einen maximalen Durchgang. Das kommt besonders bei Balkontüren zum Tragen: Rollstühle, Rollatoren und breite Möbelstücke lassen sich mühelos hindurchschieben.
Auch optisch wirkt ein Stulpfenster aufgeräumter. Im geschlossenen Zustand ist zwar die Stulpprofilleiste sichtbar, sie ist jedoch deutlich schmaler als ein voller Mittelpfosten. Im geöffneten Zustand entfällt die vertikale Teilung komplett. Für großzügige Fassadenöffnungen und moderne Architektur mit viel Licht und freier Sicht ist das Stulpfenster daher oft die erste Wahl.
Das Stulpfenster vereint maximale Durchgangsbreite, freie Sicht und eine schlanke Optik. Besonders bei Balkontüren und Terrassenzugängen bietet es einen spürbaren Komfortvorteil gegenüber Pfostenlösungen.
Worauf Sie beim Stulpfenster achten sollten
Der Stulpflügel lässt sich nur öffnen, wenn auch der Gehflügel geöffnet wird. Für das tägliche Lüften nutzen Sie also in der Regel nur den Gehflügel in Kippstellung. Planen Sie die Flügelbreiten so, dass der Gehflügel als Einzelflügel alltagstauglich bleibt.
Achten Sie außerdem auf die maximale Flügelgröße und die Windlastanforderungen. Da beim Stulpfenster kein festes Mittelprofil die Kräfte aufnimmt, muss der Beschlag die gesamte Last tragen. In Regionen mit hohen Windlasten oder bei sehr breiten Elementen kann ein Pfosten die sicherere Alternative sein.
Vorsicht: Bei einem Stulpfenster muss der Stulpflügel immer vor dem Gehflügel geschlossen werden. Wird die Reihenfolge verwechselt, lässt sich das Fenster nicht korrekt verriegeln. Achten Sie bei der Bedienung auf die richtige Schließfolge.
Tipp: Bei der Planung einer Balkontür mit Stulp sollten Sie den Gehflügel auf der Seite platzieren, die Sie im Alltag am häufigsten nutzen. So lüften Sie bequem über den Griff-Flügel, ohne jedes Mal beide Flügel öffnen zu müssen.
Häufige Fragen zum Stulpfenster
Moderne Stulpfenster erreichen vergleichbare Dichtheitswerte wie Pfostenfenster. Die Dichtung verläuft umlaufend an beiden Flügeln und am Stulpprofil. In extremen Schlagregenlagen kann ein Pfostenfenster einen leichten Vorteil haben, für die allermeisten Einbausituationen sind die Dichtheitsunterschiede jedoch vernachlässigbar.
Nein, eine Umrüstung ist in der Regel nicht möglich. Pfosten- und Stulpfenster unterscheiden sich grundlegend in der Konstruktion von Blendrahmen und Beschlag. Für den Wechsel von Pfosten zu Stulp muss das gesamte Fensterelement ausgetauscht werden.
Ja, Stulpfenster sind mit allen gängigen Verglasungsarten erhältlich, einschließlich Dreifachverglasung. Die Verglasung hängt vom verwendeten Profilsystem und der Bautiefe ab. Profile mit einer Bautiefe ab 76 mm nehmen in der Regel auch Dreifachverglasungen auf und erreichen damit sehr gute Dämmwerte.
Der Stulpflügel wird je nach Beschlagsystem über einen Entriegelungshebel am oberen Blendrahmen, über eine Griffolive am Stulpflügel selbst oder automatisch durch das Kippen des Gehflügels entriegelt. Nach der Entriegelung lässt sich der Stulpflügel von Hand aufschwenken. Die genaue Bedienung variiert je nach Hersteller und Beschlagtyp.
Zusammenfassung: Das sollten Sie über das Stulpfenster wissen
Das Stulpfenster kommt ohne festen Mittelpfosten aus und bietet eine vollständig freie Öffnung. Es eignet sich besonders für Balkontüren und Terrassenzugänge, wo maximale Durchgangsbreite gefragt ist. Der Gehflügel lässt sich einzeln bedienen, der Stulpflügel wird separat entriegelt. Moderne Stulpbeschläge sind dicht, sicher und langlebig. Achten Sie auf die richtige Schließfolge und planen Sie die Flügelaufteilung sorgfältig.
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