Floatglas – kurz erklärt
Floatglas ist planparalleles Flachglas, das im sogenannten Floatverfahren auf einem Bad aus flüssigem Zinn hergestellt wird. Nahezu jede moderne Fensterverglasung basiert auf Floatglas. Es dient als Ausgangsprodukt für Isolierglas, Sicherheitsglas, Sonnenschutzglas und alle weiteren Glasveredelungen.
Was ist Floatglas und warum ist es so wichtig?
Floatglas ist das Standardglas der modernen Fensterproduktion. Seinen Namen verdankt es dem Herstellungsverfahren: Die flüssige Glasmasse „floatet“ (schwimmt) auf einem Bad aus geschmolzenem Zinn und erhält so eine absolut ebene, verzerrungsfreie Oberfläche. Vor der Erfindung dieses Verfahrens musste Flachglas aufwendig geschliffen und poliert werden.
Für Bauherren und Renovierer begegnet Floatglas nie als Endprodukt am Fenster, sondern immer als Basis, die weiterverarbeitet wird. Ob Wärmedämmglas, ESG oder VSG: All diese Verglasungen beginnen als Floatglas und werden erst durch weitere Veredelungsschritte zu Spezialgläsern.
Wie wird Floatglas hergestellt?
Das Floatverfahren wurde in den 1950er-Jahren vom britischen Unternehmen Pilkington entwickelt und revolutionierte die Glasherstellung. Die Rohstoffe Quarzsand, Soda, Kalk und Dolomit werden bei rund 1.600 Grad Celsius zu einer Schmelze verarbeitet. Diese flüssige Glasmasse fließt kontinuierlich auf ein Bad aus geschmolzenem Zinn, das auf etwa 1.000 Grad Celsius erhitzt ist.
Da Glas leichter als Zinn ist, schwimmt die Schmelze auf der spiegelglatten Zinnoberfläche und breitet sich zu einem gleichmäßig dicken Glasband aus. Durch die Oberflächenspannung des Zinns entsteht automatisch eine planparallele, verzerrungsfreie Scheibe. Anschließend wird das Glasband langsam abgekühlt (Fachbegriff: „entspannt“), zugeschnitten und ist bereit zur Weiterverarbeitung.
Übrigens: Ein einziger Floatglas-Ofen produziert rund um die Uhr und kann bis zu 20 Jahre lang ununterbrochen in Betrieb sein. Pro Tag entstehen dabei bis zu 900 Tonnen Glas, das entspricht einer Fläche von etwa 6.000 Quadratmetern.
Gängige Glasdicken für Fensterscheiben
Floatglas wird in Dicken von 2 bis 19 mm hergestellt. Für Fensterverglasungen kommen üblicherweise Scheiben von 3 bis 6 mm Dicke zum Einsatz. Bei Zweifachverglasungen ist ein Aufbau mit 4 mm dicken Scheiben Standard. Bei Dreifachverglasungen wird ebenfalls häufig 4-mm-Glas verwendet, wobei für Schallschutzanwendungen auch asymmetrische Aufbauten mit unterschiedlichen Glasdicken gewählt werden.
Vom Floatglas zum Fensterglas: Veredelungsmöglichkeiten
Unbehandeltes Floatglas kommt im modernen Fensterbau praktisch nicht mehr zum Einsatz. Stattdessen wird es in verschiedenen Schritten veredelt. Durch thermisches Vorspannen entsteht Einscheibensicherheitsglas (ESG) mit erhöhter Festigkeit. Durch Laminieren mit Sicherheitsfolie wird es zu Verbundsicherheitsglas (VSG). Hauchdünne Metalloxid-Beschichtungen machen es zum Wärmedämmglas oder Sonnenschutzglas.
Diese Vielseitigkeit macht Floatglas zur universellen Grundlage für jede erdenkliche Fensterverglasung. Ob hohe Wärmedämmung, maximaler Schallschutz oder Einbruchhemmung: Die Basis bildet immer Floatglas.
Die Qualität des Basisglases beeinflusst alle nachfolgenden Veredelungsschritte. Hochwertiges Floatglas zeichnet sich durch minimale optische Verzerrungen, gleichmäßige Dicke und hohe Reinheit aus. Diese Eigenschaften sind die Voraussetzung für eine klare Durchsicht und eine gleichmäßige Beschichtung.
Worauf sollten Sie bei der Verglasung Ihrer Fenster achten?
Da Floatglas als Rohprodukt immer weiterverarbeitet wird, stellt sich für Hausbesitzer weniger die Frage nach dem Floatglas selbst, sondern nach der richtigen Veredelung. Entscheidend sind der Ug-Wert (Wärmedämmung), die Sicherheitsklasse (ESG oder VSG) und der Schallschutzwert der fertigen Verglasung. Ihr Fachhändler kann Ihnen den genauen Glasaufbau erklären und die optimale Kombination für Ihre Anforderungen zusammenstellen.
Tipp: Fragen Sie bei der Fensterbestellung nach dem vollständigen Glasaufbau. Eine Angabe wie „4/16Ar/4/16Ar/4 mit Low-E“ verrät Ihnen die Glasdicke, den Scheibenzwischenraum, die Gasfüllung und die Beschichtung auf einen Blick.
Häufige Fragen zu Floatglas
Der Name leitet sich vom englischen „to float“ (schwimmen) ab. Bei der Herstellung schwimmt die flüssige Glasmasse auf einem Bad aus geschmolzenem Zinn. Durch dieses Verfahren erhält das Glas seine perfekt ebene, planparallele Oberfläche ohne aufwendiges Schleifen.
Floatglas ist die Basis für modernes Fensterglas, wird aber im Fensterbau nie unverarbeitet eingesetzt. Es wird stets weiter veredelt, beispielsweise mit einer Low-E-Beschichtung für Wärmedämmung oder durch thermisches Vorspannen für mehr Sicherheit. Was umgangssprachlich „Fensterglas“ heißt, ist also immer veredeltes Floatglas.
Unbehandeltes Floatglas ist kein Sicherheitsglas, da es bei Bruch in große, scharfkantige Splitter zerfällt. Erst durch thermisches Vorspannen (ESG) oder Laminieren mit Folie (VSG) wird es zum Sicherheitsglas. Überall dort, wo Verletzungsgefahr besteht, etwa bei bodentiefen Fenstern, ist Sicherheitsglas vorgeschrieben.
Hochwertiges Floatglas erkennen Sie an einer verzerrungsfreien Durchsicht, einer gleichmäßigen Oberfläche ohne Einschlüsse oder Bläschen und einer exakten Dickentoleranz. Im fertigen Fenster lässt sich die Glasqualität am besten beurteilen, wenn Sie schräg durch die Scheibe blicken: Verzerrungen oder Wellenbildung deuten auf mindere Qualität hin.
Zusammenfassung: Das sollten Sie über Floatglas wissen
Floatglas ist das Basisglas für alle modernen Fensterverglasungen. Es wird im Floatverfahren auf flüssigem Zinn hergestellt und zeichnet sich durch eine perfekt ebene, verzerrungsfreie Oberfläche aus. Im Fensterbau wird Floatglas stets weiterverarbeitet, etwa zu Wärmedämmglas, Sicherheitsglas oder Schallschutzglas. Nicht das Floatglas selbst, sondern die Art der Veredelung bestimmt die Eigenschaften Ihrer Fensterverglasung.
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