Einscheibensicherheitsglas (ESG) – kurz erklärt
Einscheibensicherheitsglas (ESG) ist thermisch vorgespanntes Glas, das bei Bruch in kleine, stumpfkantige Krümel zerfällt statt in scharfe Splitter. Dadurch sinkt die Verletzungsgefahr erheblich. ESG wird überall dort eingesetzt, wo erhöhte Sicherheitsanforderungen gelten, etwa bei Glasduschen, Glastüren und bestimmten Fensterverglasungen.
Was ist ESG und wie wird es hergestellt?
Einscheibensicherheitsglas, kurz ESG, ist ein Sicherheitsglas, das durch thermisches Vorspannen seine besonderen Eigenschaften erhält. Ausgangsmaterial ist normales Floatglas, das im Vorspannofen auf rund 620 Grad Celsius erhitzt und anschließend schlagartig mit Kaltluft abgekühlt wird. Durch diesen Prozess entsteht eine Druckspannung an der Glasoberfläche, während der Glaskern unter Zugspannung steht.
Dieses Spannungsverhältnis macht ESG etwa vier- bis fünfmal bruchfester als normales Floatglas gleicher Dicke. Und falls es dennoch bricht, zerfällt die gesamte Scheibe in kleine, würfelförmige Krümel mit stumpfen Kanten. Das Verletzungsrisiko durch Schnittwunden ist damit erheblich geringer als bei herkömmlichem Glas.
Eigenschaften von Einscheibensicherheitsglas
Festigkeit und Temperaturbeständigkeit
Durch die thermische Vorspannung hält ESG deutlich höhere mechanische Belastungen aus als normales Glas. Es widersteht Stößen, Schlägen und Windlasten besser. Zusätzlich ist ESG temperaturwechselbeständig bis etwa 200 Kelvin Temperaturdifferenz, während normales Floatglas bereits bei 40 Kelvin Differenz reißen kann. Diese Eigenschaft macht es ideal für Bereiche mit starker Sonneneinstrahlung oder in der Nähe von Wärmequellen.
Übrigens: ESG kann nach dem Vorspannen nicht mehr geschnitten, gebohrt oder geschliffen werden. Alle Bearbeitungsschritte wie Zuschnitt, Bohrungen und Kantenbearbeitung müssen vor dem thermischen Vorspannen erfolgen.
Das Bruchbild von ESG
Das charakteristische Bruchbild von ESG ist sein wichtigstes Sicherheitsmerkmal. Bei Bruch löst sich die gesamte innere Spannung schlagartig auf, und die Scheibe zerfällt vollständig in kleine Krümel. Ein Stück ESG mit einer Kantenlänge von 10 cm muss dabei nach DIN EN 12150 mindestens 40 Bruchstücke ergeben. Die stumpfen Kanten der Krümel minimieren die Gefahr von Schnittverletzungen erheblich.
Wo ist ESG bei Fenstern vorgeschrieben und sinnvoll?
ESG ist in verschiedenen Bereichen nach den Technischen Regeln für die Verwendung von absturzsichernden Verglasungen (TRAV) und den Landesbauordnungen vorgeschrieben oder empfohlen. Bei Fenstern und Fassaden kommt es vor allem dort zum Einsatz, wo Personen gegen die Verglasung fallen oder stoßen könnten. Typische Einsatzorte sind Glasfüllungen in Türen, Seitenteile von Haustüren, Dachfenster und Überkopfverglasungen.
Auch bei bodentiefen Fenstern und Festverglasungen in Kinderzimmern oder öffentlichen Gebäuden ist ESG häufig die richtige Wahl. Hier bietet das stumpfe Bruchbild einen wichtigen Schutz, falls ein Kind oder eine Person gegen die Scheibe stürzt.
ESG ist die richtige Wahl, wenn vor allem die Verletzungssicherheit im Vordergrund steht. Für Anwendungen, bei denen zusätzlich eine Resttragfähigkeit nach dem Bruch gefordert ist, etwa bei Absturzsicherungen oder Einbruchschutz, sollte dagegen VSG (Verbundsicherheitsglas) gewählt werden.
Worauf sollten Sie bei ESG-Verglasungen achten?
Achten Sie darauf, dass das ESG nach DIN EN 12150 hergestellt und gekennzeichnet ist. Die Norm schreibt ein permanentes Kennzeichnungsstempel auf dem Glas vor, der Hersteller, Normbezeichnung und Glasdicke angibt. Außerdem sollten Sie beachten, dass ESG allein keinen Einbruchschutz bietet. Es zerfällt zwar sicher, aber eben auch relativ leicht. Wer Einbruchhemmung benötigt, sollte auf VSG oder eine Kombination aus ESG und VSG setzen.
Vorsicht: ESG kann in seltenen Fällen durch sogenannte Nickelsulfid-Einschlüsse spontan brechen, auch ohne äußere Einwirkung. Bei sicherheitsrelevanten Anwendungen wird deshalb ESG-H (heißgelagertes ESG) empfohlen. Der Heat-Soak-Test reduziert das Risiko eines Spontanbruchs erheblich.
Tipp: Für maximale Sicherheit am Fenster setzen viele Hersteller auf die Kombination ESG/VSG. Dabei wird eine ESG-Scheibe als Außenscheibe im Isolierglas verwendet, während die Innenscheibe aus VSG besteht. So profitieren Sie von der hohen Festigkeit des ESG und der Resttragfähigkeit des VSG. Die FeBa Fensterbau GmbH bietet solche Sicherheitsverglasungen im Rahmen der highprotect-Ausstattung an.
Häufige Fragen zu Einscheibensicherheitsglas
Ja, ESG trägt nach DIN EN 12150 eine permanente Kennzeichnung, meist einen kleinen Stempel in einer Ecke der Scheibe. Außerdem lässt sich ESG mit einer Polarisationsfolie identifizieren: Durch die inneren Spannungen zeigt es im polarisierten Licht ein charakteristisches Muster, das bei normalem Glas fehlt.
Nein, ESG allein bietet keinen Einbruchschutz. Es ist zwar deutlich bruchfester als normales Glas, aber wenn es bricht, zerfällt die gesamte Scheibe sofort in Krümel und gibt die Öffnung frei. Für Einbruchschutz ist Verbundsicherheitsglas (VSG) die richtige Wahl, da es bei Bruch zusammenhält und den Durchstieg erschwert.
ESG oder gleichwertiges Sicherheitsglas ist unter anderem bei Türverglasungen unter 80 cm Höhe, bei Glasfüllungen in und neben Türen, bei Dachverglasungen und bei Brüstungsverglasungen vorgeschrieben. Die genauen Anforderungen regeln die Landesbauordnungen und die Technischen Regeln für die Verwendung von Glas im Bauwesen.
ESG-H ist ESG, das zusätzlich einem Heat-Soak-Test unterzogen wurde. Dabei wird das fertige ESG für mehrere Stunden auf rund 290 Grad Celsius erhitzt. Scheiben mit kritischen Nickelsulfid-Einschlüssen zerbrechen dabei im Ofen statt später im eingebauten Zustand. ESG-H minimiert so das Risiko eines Spontanbruchs und wird bei sicherheitskritischen Anwendungen empfohlen.
Zusammenfassung: Das sollten Sie über ESG wissen
ESG ist thermisch vorgespanntes Glas, das bei Bruch in stumpfe Krümel zerfällt und so Schnittverletzungen verhindert. Es ist vier- bis fünfmal bruchfester als normales Floatglas und temperaturwechselbeständig. ESG ist an vielen Stellen am Fenster und an Türen gesetzlich vorgeschrieben, bietet allein aber keinen Einbruchschutz. Für Durchbruch- und Durchsturzsicherung ist zusätzlich VSG erforderlich. Achten Sie auf die Kennzeichnung nach DIN EN 12150.
Sie möchten wissen, welches Sicherheitsglas für Ihre Fenster und Türen das richtige ist? Unsere Fachhändler beraten Sie gerne individuell.